Auf einen Schnaps mit Sisyphos

Verdrießlich blickt Sisyphos, mein guter Freund und Held gleichnamiger griechischer Sage, den steilen Berg hinauf, der sich vor ihm erhebt. Dann senkt er den Blick und richtet ihn auf den riesigen Felsklotz, der vor seinen Füßen liegt. Gerade noch erschien das Ziel so nah, ein paar Augenblicke später rückte es wieder in weite Ferne.

“Tagein, tagaus”, stöhnt er, “immer wieder von vorne.”

“Setz dich einen Moment”, bitte ich ihn. “Mir geht’s genau wie dir.”

“Du hast mehr Abwechslung”, unterbricht er mich. Sein Standartargument, das er stets anwendet, um mir den Wind aus den Segeln zu nehmen.

“Mag sein”, entgegne ich, “aber letztlich läuft auch das auf das selbe hinaus. Der Berg ist steil, die Arbeit zu viel. Alles immer wieder von vorne.”

“Du hast dir dein Leben, so wie es läuft, selber ausgesucht”, sagt er und betont jede einzelne Silbe um dem Gesagten eine besondere Schwere zuteil kommen zu lassen.

“Ja, aber momentan habe ich nicht das Gefühl, mein Leben zu leben, sondern gelebt zu werden. Von Verpflichtungen von Außen und – noch schlimmer – den selbst auferlegten”, verteidige ich meine Jammerstimmung.

“Mmh”, brummt er und kaut auf einem Grashalm rum.

“Arbeit, Geschenke, Weihnachtskarten, Kinderaktivitäten, der Haushalt”, monologisiere ich weiter. “Ich komme zu nichts, hechele nur den nötigsten Dingen hinterher…”

“Stopp!”, unterbricht er mich. “Lass uns einen Kaffee trinken. Oder noch besser einen Schnaps!”

Also halten wir kurz einen Moment inne und atmen durch.

Bald geht’s weiter.

Der nächste Blogeintrag, das verspreche ich, kommt schon morgen.

 

 

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3 Kommentare zu “Auf einen Schnaps mit Sisyphos”

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