Raindrops keep falling on my head…

Heute morgen war der Himmel grau. Die Straße und die Wände der Häuser wirkten grau. Die Gesichter der Menschen. Meine Laune. Denn: Es regnete in Strömen.

Ich will mich nicht beschweren. Der Herbst war schön bislang. Und ich war zehn Tage lang auf einer Dienstreise in einem fernen, sehr warmen und sonnigen Inselstaat (weshalb hier im Blog auch Funkstille herrschte). Dort war der Himmel blau, der Strand weiß, das Meer türkis und die Gesichter der Menschen braun.

Graugesichtige Menschen (zu denen auch ich heute gehöre) hören nicht gerne, dass man auf ferne, warme Inseln geschickt wird und das auch noch als Arbeit bezeichnet.

“Eine muss den Job ja machen. Sich für den Leser aufopfern. Halt mal ins warme Wasser springen”, erklärte ich Freundin M. vor der Reise.

Ich glaube, sie hasst mich seither.

Doch zurück zum Grau, das mich wieder hat. Denn mitten im Matschwetter nehme ich doch Farben war: Rosa Wangen, blaue Regenjacken und rote Gummistiefel, die begeistert durch Pfützen springen. Das kleine Kind liebt Regen. Kaum hatte ich die Haustür geöffnet und ins gefühlte allumfassende Grau geblickt, sprang es an mir vorbei und juchzte vor Freude, als es sah, dass es regnete.

Das große Kind – im Alter von fünf Jahren schon mehr sozialisiert – reagierte verhaltener. Zunächst. Dann ließ es sich von seiner kleinen Schwestern anstecken. Auf dem Weg zum Kindergarten wurde jede Pfütze ausprobiert, also etwa eine Trillion.

Außer meinen Kindern begegnete uns nur einer, der genau so vom Regen begeistert war. Ein Boxerwelpe. Er sprang in jedes Wasserloch, bellte vor Freude und schüttelte das nasse Fell sobald sich andere Passanten näherten. Was in den grauen Gesichtern nicht gerade für positive Resonanz sorgte.

Ich warf Frauchen einen verständnisvollen Blick zu. Denn – so habe ich einmal gemeinsam mit Kollegin V., die Besitzerin eines Mischlingsrüden ist, herausgefunden – Hunde- und Kinderhalter haben so einiges gemeinsam.

a. Sie gehören zu den wenigen Erwachsenen, die Gummistiefel besitzen. Bei mir hat es lange gedauert. Aber die Kombination Wohnort Hamburg und die Haltung zweier Kinder hat mich nach Zerstörung vieler Schuhpaare und einer Reihe fieser Erkältungen im Jahr 4 nach Geburt des ersten Kindes soweit gebracht.

Auch das Boxer-Frauchen trägt Gummistiefel.

b. Sie sind die einzigen, die man sonntags bei absoluten Schietwetter draußen antrifft. Während alle anderen gemütlich drinnen auf dem Sofa rumfläzen, greift man selber (siehe Punkt a) zu Regenstiefeln und Allwetter-Outfit und geht vor die Tür. Denn meine Kinder ohne Auslauf sind wahrscheinlich genauso unerträglich wie ein winselnder Hund, der dringend Gassi gehen möchte.

c. Bevor man sich ein Kind/einen Hund zulegt, spricht eigentlich alles dagegen: kostenintensiv, langjährige Bindung, erschwerende Wohungssuche, viele Kompromisse bei der Urlaubsplanung, außerdem Punkt a und b. Und doch: Hat man sich einmal dazu entschieden, kann man sich das Leben ohne Kind/Hund nicht mehr vorstellen.

d. Und damit (Punkt c) steckt man auch die Großeltern an. So erzählte mir Kollegin V. vor einiger Zeit, ihre Eltern seien immer ganz traurig, wenn sie den Hund ihrer Tochter mal eine Weile nicht sehen würden.

e. Und sie wollen andere überzeugen. Für alle, die Regentage hassen: Mit Kindern sind sie gleich viel weniger grau.

Vielleicht sollten wir uns auch noch einen Hund anschaffen.

 

P.S. Ich verspreche Besserung, was die Frequenz der Blogbeiträge angeht. Sind auch keine weiteren ferne, warme Insel-Reisen in Aussicht. Leider. Ich befürchte, mein Regentag-Optimismus hält nicht den ganzen Winter an.

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Ein Kommentar zu “Raindrops keep falling on my head…”

  1. Wicki

    Liebe Frau Sisyphos,

    danke für den Regentagoptimismus, er hat mir heute Morgen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und die Überzeugung, dass alles eine Frage der Einstellung ist. Auch grauen Regenwetter kann man etwas abgewinnen, auch ohne Kind und ohne Hund.

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