Frühstücksgedanken

Am Sonntag sind mein Mann und ich frühstücken gegangen. In ein Café.

Samstagabend sind wir von einer Woche Ostseeurlaub zurückgekommen. Der Kühlschrank war leer, in der Schublade schlummerte hingegen noch ein Gutschein – für ein Frühstück zu zweit in besagtem Café.

Ich wischte – zumindest sinnbildlich – den Staub von dem Gutschein, den mir gute Freunde vor mehr als einem halben Jahr geschenkt hatten, und fragte meinen Mann, ob er sich erinnern könne, wann wir zuletzt zum Frühstück ausgegangen sind. Er schaute mich ratlos an.

Also gingen wir los. Natürlich zu viert, nicht zu zweit, aber – der große Vorteil des Cafés – es hat ein separates Spielzimmer für Kinder. Nachdem die Kinder gesättigt losstürmten, um fremde Spielsachen zu bespielen, sahen mein Mann und ich uns über unsere Latte macchiato-Gläser hinweg an.

“Ein bißchen so wie früher”, sagte mein Mann.

“Mmh”, pflichtete ich ihm bei. “Obwohl: Weißt du eigentlich noch, was wir früher an den Wochenenden gemacht haben?”

Mmh”, erwiderte mein Mann nachdenklich. Auch ich kam ins Grübeln.

Es ist ja so. Man redet sich immer das Leben schön, das man gerade führt. Früher, als mein Mann und ich noch keine Kinder hatten und gut ausgeschlafen auf einem Sonntagsspaziergang einen Spielplatz passierten, dachte ich immer: “Grundgütiger! Die armen Eltern! Wie furchtbar es sein muss, den ganzen Sonntag auf einem langweiligen Spielplatz abhängen zu müssen.”

Heute verbringe ich in der Tat den einen oder anderen Sonntag auf einem Spielplatz – ohne mich zu langweilen. Weil die Kinder fröhlich im Sand buddeln. Alleine schaukeln gelernt haben. Ganz bis nach oben aufs Klettergerüst kraxeln können. Es ist wie es ist: Die Begeisterung für die eigenen Brut lässt einen kompromissbereit werden.

Stattdessen frage ich mich manchmal heute, womit ich meine Freizeit gefüllt habe, also die Brut noch Zukunftsmusik war.

“Wir haben länger geschlafen”, sage ich zu meinem Mann.

“Und morgens bei einem Kaffee gemütlich die Zeitung gelesen”, legt er nach.

“Und wir sind zusammen joggen gegangen”, erinnere ich mich dunkel.

“Und konnten uns in Ruhe unterhalten, ohne dass…”, beginnt mein Mann als ein plötzliches, uns sehr bekannt vorkommendes Gebrüll aus dem Spielzimmer des Cafés ihn unterbricht.

Eine Minute später tröste ich ein weinendes Kleinkind, während seine Schwester auf uns einplappert und das letzte halbe Brötchen vom Teller stibitzt.

Vorbei ist sie, unsere gedankliche Reise in die Vor-Kinderzeit.

 

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2 Kommentare zu “Frühstücksgedanken”

  1. Ruth

    Kommt mir doch alles noch so bekannt vor,nur die Anzahl der Kinder ist bei uns die doppelte. Jetzt freue ich mich auf unseren ersten Urlaub zu zweit nach 23 Jahren; ohne Wohnungsreservierung, ohne Freizeitpark, ohne Plan B im Hinterkopf, nur wir zwei einfach ins Blaue. Bin schon sehr gespannt……

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  2. die Frau aus Schloß Neuhaus

    …. und das Schöne ist (das erzähle ich auch gerne all den werdenden Mamas, die vor ihrer ersten Entbindung glauben, diese nahende Geburt wäre die Hürde, die zu schaffen ist und dann wäre das Schlimmste ja passiert), daß diese Zeit ja wiederkommt. Oder besser gesagt dieses Gefühl. Wenn man sonntags nachmittags alleine (!) in der Wanne liegt, und in Ruhe (!) so seinen Gedanken nachhängt und denkt “cool, ich liege im Hellen in der Wanne und keinen interessiert es. Weil die was Besseres zu tun haben als mich beim Baden zu stören!”. Dann ist das fast wie früher! Auch schön: wenn man alleine zu Hause ist, weil die Kinder sich mit Freunden verabredet haben und man mal die eigene Mama anruft, weil man ja Zeit zum Quatschen hat. Und die sagt dann “warte nur, es kommt ne Zeit, da freust du dich daß mal einer zu Hause ist, der sich mit dir unterhält!”
    Sollte ich meine Mutter vielleicht öfter mal anrufen?

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