Und Männerpanik?

Letzte Woche schrieb ich über meine Anfälle von Mutterpanik. Übrigens nicht die einzige Panik, die mich überfällt. Ich leide auch unter Ehefraupanik (mein Mann verunglückt), Tochterpanik (meinen Eltern stößt etwas zu), Frauchenpanik (man weiß ja leider: die Haustiere leben nicht so lange wie wir).

Die geneigten Leserinnen und ich fragten uns: Leiden Männer eigentlich auch darunter? Ich habe es am eigenen Leib erfahren: nein!

“Schatz”, sagte ich kürzlich abends zu meinem Mann, “das Fahrrad steht noch draußen.”

Andere Leute fahren abends ihr Auto in die Garage, wir schließen das Fahrrad ins Fahrradhäuschen. Leider sind Fahrräder in Hamburg nämlich sehr begehrt. So begehrt, dass uns in den vergangenen anderthalb Jahren gleich drei davon geklaut wurden.

“Mmh”, brummte mein Mann und schaute kaum von seinem Buch hoch.

Um das Fahrrad ins Häuschen zu stellen, muss man es hochwuchten und mit dem Vorderrad an einem von der Decke hängenden Haken befestigen. Normalerweise übernimmt mein Mann netterweise diese Aufgabe, weil ich jedensmal drohe samt Fahrrad zusammenzubrechen.

“Wir können es nicht über Nacht draußen lassen, sonst ist es weg”, sagte ich.

“Mmh”, brummte mein Mann und blätterte zur nächsten Seite seines Buchs.

Ich muss hinzusagen: Er war krank. Und lag bereits im Bett.

Ich seufzte. “Also gut, ich hänge es weg.”

In sehr seltenen Fällen – wirklich! – leide ich auch unter Ich-selber-Panik. Vor einiger Zeit, als ich sehr spät von einem netten Abend mit Freundinnen heimgeradelt kam, wollte ich das Fahrrad selber in das Häuschen bringen. Es steht einige Meter von den Wohnhäusern entfernt auf einem weitläufigen Platz. Hinter dem Häuschen wuchern dichte Büsche.

Als ich mich dem Häuschen näherte, trat ein Mann aus dem Gebüsch. “Hey du, so allein?”, rief er und ging einen Schritt auf mich zu.

“Grundgütiger!”, dachte ich und sinierte darüber nach, ob es wohl jemand mitbekommen würde, wenn er mich in das Häuschen stoßen und die Tür zurammen würde. Wahrscheinlich nicht. Panisch fuhr ich weiter. In dieser Nacht blieb das Fahrrad draußen. Geklaut wurde es ausnahmsweise nicht.

Diesen Vorfall vor Augen habend, gab ich meinem Mann Instruktionen: “Wenn ich nicht in fünf Minuten zurück bin”, ermahnte ich ihn, “musst du nachschauen gehen und zur Not die Polizei rufen.” Ich lebe sehr gerne mal meinen Hang zur Dramatik aus.

Vor der Tür traf ich Nachbarin G. Wir fingen an, uns zu unterhalten. Ich erzählte ihr von dem Fahrradhäuschenvorfall und dass mein Mann nach mir schauen sollte. Ich blickte auf die Uhr. Wir unterhielten uns bereits seit zehn Minuten. Von meinem Mann keine Spur.

Wir redeten weitere zehn Minuten. Kein Mann in Sicht!

Nach weiteren fünf Minuten begab ich mich endlich zu dem Fahrradhäuschen. Wohlwissend, dass ich sämtlichen Massenmördern und Vergewaltigern hoffnungslos ausgeliefert wäre, während mein Mann in Seelenruhe sein Buch las.

Innen angekommen, nahm ich ihn mir zu Brust: “Ich könnte ermordet und gevierteilt unter dem Busch verscharrt liegen. Und was machst du? In Ruhe lesen!” Wie ich bereits sagte: Ich lebe gerne meinen Hang zur Dramatik aus.

Mein Mann hat keinen Hang zur Dramatik. Auch wenn ich ihm von meiner Mutterpanik erzähle und ausmale, was den Kindern alles zustoßen könnte, zuckt er meist nur mit den Achseln. “Das möchte ich mir gar nicht vorstellen”, sagt er meist lapidar.

Auch diesmal reagierte er gelassen. “Ich wollte mir gerade etwas überziehen, um nach dir zu schauen”, sagte er, “aber dann habe ich aus dem Fenster geschaut und gesehen, wie du dich mit G. unterhalten hast.”

Ich war versöhnt. Wenigstens ein wenig “Ehemannpanik” scheint also doch vorhanden zu sein.

Oder war es doch nur die Angst vor meinem Hang zur Dramatik?

 

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2 Kommentare zu “Und Männerpanik?”

  1. Kristina

    Hahahaha!!! Ich muss lachen. Mein Mann hat auf jeden Fall nicht solche Paniken. Geht er joggen, frage ich ihn, wie lange er gehen möchte. Er sagt es mir und ich nehme das dann auch ernst und werde nervös, wenn er dann nicht zeitnah da ist. Gehe ich joggen und er fragt mich, sage ich ihm was ich so vorhabe… letztes Mal war ich eine Stunde überfällig (es lief so gut) und ich kam wieder und nix… kein Wort, Entspannung pur … Tja… isso :-)

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  2. Andrea

    Männer kennen sowas nicht…… definitiv :) Meinem fällt manchmal noch nicht einmal auf, ob die Kids zuhause sind oder nicht. Nachfragen kommen äußerst selten :) Dazu muss ich sagen, er ist Schichtdienstler, und aufgrund ständigem Arbeitszeitenwechsel manchmal etwas neben der Spur ^^ aber auch wenn ich sage, bin mal eine Stunde einkaufen, was sich dann auf vl 2-3 erweitert, da man noch mit einer zufällig getroffenen Bekannten Kaffee trinkt xD …. kommen keine Nachfragen :) Tja ….. Playstationspiele können schon ablenkend sein …..Gott sei Dank xD

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