Rücken mit Tücken

Meine Kinder und meine Arbeit vertragen sich nicht.

Zu diese Erkenntnis kam ich, wie es so oft im Leben ist, auf dem schmerzhaften Weg. “Da”, sagt Susila und bohrt mir ihren Ellbogen ins Kreuz. “Und da, da, da! Alles Blockaden!”

Susila ist Masseurin. Wer sie sehen würde – klein, schlank und zierlich wie die meisten Asiatinnen – sollte nicht meinen, dass sie wie ein Bulldozer über einen Rücken herfallen kann. Kann sie aber.

“Da!”, sagt sie und pickst schmerzhaft auf den Nackenmuskel, “das kommt von der Arbeit am Computer.”

“Und da!”, ihre Fingerkuppen bohren sich in einen Nervenstrang, “das kommt vom Kindtragen.”

“Mmh”, seufze ich. Erstens, weil mir das Traktieren meines Rückens die Sprache verschlägt und zweitens, weil sie ja Recht hat. Kinderschleppen und am Computer sitzen, sind nicht gerade rückenfreundliche Handlungen.

Und auch sonst vertragen sich meine Kinder und meine Arbeit nicht immer so gut, wie ich es mir wünschen würde. Diese Woche zum Beispiel. Das Kleinkind fieberte plötzlich. Ich behielt es zu Hause. Am ersten Tag war ich noch halbwegs entspannt. Mein Rücken schwieg.

Am zweiten Tag hetzte ich in der Mittagspause an den Rechner und abends, als mein Mann nach Hause kam, ins Büro. Mein Rücken muckte.

Am Mittwoch sprang mein Mann beim Kranken-Kind-Hüten ein, während ich wie eine Berserkerin ich auf den Computer eindrosch, um die liegengebliebenen Aufgaben fertig zu stellen. Mein Rücken knurrte.

Am Donnerstag war das Kind wieder munter. Wir gingen in den Zoo. Zoobesuche bedeuten: Kind hochheben, Kind runterheben, Kind hochheben, Kind runterheben. Mein Rücken rebellierte.

Also zur Masseurin. Endlich. Mein Mann hatte mir einen Massagegutschein zum Geburtstag geschenkt. Der liegt schon ein halbes Jahr zurück. Eher bin ich nicht dazu gekommen, wegen – genau! – Kinder und Arbeit. Und weil ich immer glaube, mir die Massage erst mal verdient haben zu müssen.

Eine Stunde lang bekämpfte Susila die mühsam aufgebauten Blockaden. Dem Rücken ging es besser. Zumindest einen Tag lang.

Heute habe ich wieder viel die Kinder getragen. Und am Computer gesessen. Emsig arbeite ich am Aufbau neuer Blockaden.

Aber was sagte Susila mir zum Abschied? “Wir sehen uns bestimmt bald wieder!”

“Mmh.”

 

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2 Kommentare zu “Rücken mit Tücken”

  1. Claud

    Hm, was soll ich raten? Der Rücken ist die Schwachstelle von uns Menschen und ist da mal was aus dem Lot, verspannt es sich ständig.
    Was hilft aus meiner Erfahrung? Isotonische Muskelübungen, die gehen auch zu Hause und zu versuchen trotz hektischem Alltag zu entspannen.
    Körpernah heben, nicht zu lange sitzen und beim in die Knie gehen mit einem Bein knicksen, sieht lustig aus, aber entlastet enorm.

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