Mit Frau Merkel auf Reisen

Heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass Frau Merkel auf Reisen gehen will. Nicht als Bundeskanzlerin, da ist sie ja ständig unterwegs, sondern als Privatier. Mit ihrem Mann Joachim möchte sie die Panamericana von Alaska bis Feuerland runterfahren, 2016, wenn sie – so hieß es in dem Artikel – ihren Job aufgibt.

Sogleich greife ich zum Telefon und rufe meinen Mann im Büro an.

“Schatz”, sage ich, “ich möchte es wie Frau Merkel machen. Lass uns mit den Kindern die Panamericana runterjuckeln.”

Mein Mann seufzt. Ich seufze auch.

Leider leiden wir an einer unheilbaren, nunja Krankheit wäre das falsche Wort, sagen wir: Leidenschaft. Das Reisen.

Mir muss jemand ein paar Fotos von einem beliebligen Land zeigen, dazu ein paar warme Worte verlieren, schon steht für mich fest: Da möchte ich auch hin.

Im Winter haben wir in der Elternzeit eine sehr lange, sehr schöne Reise  unternommen. Außerdem darf ich hin und wieder beruflich nette Ziele ansteuern, um darüber zu schreiben. Ich weiß, ich jammere auf hohem Niveau.

Aber es ist wie es ist, es tritt leider keine Reisesättigung ein, im Gegenteil, das Fernweh wird nur noch mehr entfacht.

Momentan ist es besonders schlimm, ich habe das Gefühl, dass jeder für lange Zeit in schöne Länder reist: Freundin K., die seit Februar in China ist. Kindergartenfreunde, die zeitlich begrenzt nach Brasilien auswandern, Kollegin H., die in ihrer Elternzeit mit Mann und Baby zwei Jahre lang Südostasien bereisen möchte. D. und H., die es für ein Jahr nach Südfrankreich zieht. Und nun also auch noch Frau Merkel.

Leider stehen unseren Reiseplänen zwei nicht ganz unwichtige Dinge im Weg: Zeit und Geld.

“Auf jeden Fall”, sage ich meinem Mann, “müssen wir noch eine längere Reise unternehmen, bevor das Kind eingeschult wird, danach haben wir keine Zeit mehr.”

Zum Glück hat unsere Tochter nach dem Einschulungsstichtag Geburtstag, es bleiben uns also noch zwei Jahre bis sie als Siebenjährige an die teuren Ferienzeiten gebunden sein wird.

Das macht mir schon jetzt schlechte Laune. Wenn ich schlechte Laune habe, versucht mein Mann mich aufzumuntern, in dem er mit mir Pläne für eine neue Weltreise schmiedet. “Wohin”, fragt er mich dann, “wollen wir denn reisen?”

Ich benehme mich in solchen Augenblicken wie ein Kind,das Geschenke in eine Geschenkewunschkiste packt: Ich möchte alles mitnehmen.

“Argentinien”, zähle ich auf, “Island, Myanmar, Japan, Hawaii.” Hektisch lege ich nach: “Panamericana, Transsib, Seidenstraße.” Fast verhaspele ich mich: “Dublin, New York, Antananarivo.”

“China”, brüllt das Kind, das wir in seinen fünf Lebensjahren schon mit Reiselust infiziert haben, “und Brasilien, um unsere Freunde zu besuchen.”

Seine Schwester klatscht in die Hände und juchzt. Das Reisefieber hat die ganze Familie gepackt. Meine Laune verbessert sich erheblich.

Aber das zweite Problem ist, wie bereits erwähnt, das Geld. Egal wie preiswert man zu reisen versucht, für eine große Tour braucht es schon eine Menge an Ersparnissen. Sollte unter den geneigten Lesern also zufällig ein Millionär sein, der ein Aufleben meines Reise-Blogs “4 um die Welt” sponsern möchte: nur zu!

Oder Frau Merkel: Suchen Sie und Ihr Joachim vielleicht noch Begleiter? Ich hätte da vier Reisepartner für Sie. Und bei Ihren Connections sollte es dann ja auch kein Problem sein, das Kind ein Weilchen von der Schulpflicht zu befreien.

 

 

 

 

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4 Kommentare zu “Mit Frau Merkel auf Reisen”

  1. Giese, Alex

    Island!
    Eine Rundreise um die Insel. Gebirge, Seen, Flüsse, das Meer, Einsamkeit, kleine Städte. Es ist fantastisch.
    Aber die anderen Vorschläge sind auch alle super.

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  2. Ariane

    Sie sind nicht allein mit diesem Gefühl! Ich bin auch meistens noch nicht wieder zuhause und will schon wieder weg.
    Ihren Reiseblog habe ich übrigens auch mit grösstem Vergnügen gelesen und ich finde die Idee eine solche Reise in der Elternzeit zu machen einfach nur grossartig und werde sie definitiv im Hinterkopf behalten.
    Sollten sie also einen Sponsor finden, der zufällig noch Geld übrig hat und auch noch eine reisewütige Nachwuchswissenschaftlerin sponsoren möchte, verweisen sie ihn gern an mich weiter!

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  3. die Frau aus Schloß Neuhaus

    gut daß es Leute gibt wie Euch, da kann ich dann ja zuhören, was Ihr erlebt habt… und wenn ich mal was Fremdes sehen will, kauf ich mir nen Bildband, das ist auch nicht so teuer…. Externsteine reichen mir an Naturschauspiel, und wenn es mal ne Fernreise sein muß (ab und zu muß ich auch mal aufs Meer gucken, und das ist hier ja nicht so nah wie bei Euch), dann reicht St. Peter Ording. Da müssemn wir vier Stunden autofahren! Das ist weit! Und auf dem Rückweg besuchen wir Euch, die Mädels freuen sich schon!

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