Kleine Nachtmusik

Abends, wenn die Nerven vom langen Arbeitstag blank liegen und die Lautstärke der Kinder mit wachsender Müdigkeit anschwillt, werden mein Mann und ich musikalisch.

“I’ve been looking for freedom”, singt er über die Köpfe des quengeligen Kleinkindes und des jammernden Kindes hinweg, die beide mit Leibeskräften an einer Puppe zerren.

Das große Kind siegt im Puppenkampf, das Kleinkind schreit wie am Spieß. Ich schaue auf die Uhr. Noch 20 Minuten, dann müssten beide im Bett liegen.

“Silence is golden, golden”, trällere ich und versuche, das Kleinkind zu beruhigen.

In der Zeit stolpert unsere ältere Tochter und fäng lauthals an zu weinen. Die erbeutete Puppe landet achtlos in der Ecke. Zwei Kinderkehlen grölen. Noch 15 Minuten.

Mein Mann schnappt sich das große Kind, um ihm den Schlafanzug anzuziehen. Ich wickele das Kleinkind. Kurzzeitig beruhigen sich beide ein bisschen.

“This is the sound”, singt mein Mann motivierend los, “of silence.” Noch 10 Minuten.

Beim Zähneputzen eskaliert die Situation erneut. Das Kleinkind brüllt, weil es Zähneputzen nicht mag. Seine Schwester stimmt mit ein, weil sie noch nicht ins Bett möchte.

“Stille Nacht, heilige Nacht”, rufe ich hoffnungsvoll, während ich das Kleinkind ins Bett lege. Mein Mann und das große Kind folgen. Noch 5 Minuten.

“Lalelu”, singen mein Mann und ich unseren Töchtern vor, langsam fallen ihnen die Augen zu.

Der Countdown ist abgelaufen. Die Kinder schlafen. Mein Mann und ich lassen uns flach atmend auf dem Sofa nieder. Singen tun wir nicht mehr. Wir genießen die Stille.  Erst nach einer Viertelstunde fange ich leise an zu summen: “Freiheit, Freiheiheiheiheiheit!”

 

Und noch mal für alle unser abendliches Gesangs- (und Summ-)repertoire:

David Hasselhoff: Looking for freedom. (Ein Lied, dass wir beide übrigens äußerst schrecklich finden)

The Tremeloes: Silence is golden.

Simon & Garfunkel: Sound of Silence.

Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber (übrigens von Beruf Hilfspfarrer und Dorfschullehrer): Stille Nacht, Heilige Nacht

Heinz Rühmann: Lalelu

Marius Müller Westernhagen: Freiheit

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Kleine Nachtmusik”

  1. Claud

    Ich hab früher, wenn ich vor lauter Geheul nah am explodieren war, selbstgedichdete Lieder gesungen.
    Eines begann so:”Ich bin ein Mitglied vom Babyterrorclub, der sich seit xx Jahren betätigen tut, wir heulen den ganzen Tag, bis Mama abends nicht mehr mag…” (reimt sich leider nur auf Schweizerdeutsch, aber das tue ich euch hier nicht an).
    Dies hat immer enorm Druck weggenommen, irgendein Ventil braucht jeder und singen ist definitiv besser als rumschreien!

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