Von Bienen und Männern

Jedes Jahr im Sommer machen wir eine kleine Deutschlandtour, Freunde besuchen. Eine Station: Ein Besuch in Dresden bei K., einem ehemaligen Studienkollegen meines Mannes. Er ist Stadtimker. Kaum dort angekommen, sprang mein Mann mit Freund K. auf das Dach, wo die Tierchen stehen, begutachtete Bienen und Bienenstöcke, schleuderte Honig, fachsimpelte mit K.

Männer brauchen Hobbys. Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von einem Kollegen, einem männlichem Kollegen. Seine drei erwachsenen Söhne waren innerhalb von zwei Wochen von zu Hause ausgezogen. Er wurde melancholisch. Seine Frau sagte zu ihm: Schau zu, dass du dir ein Hobby zulegst. Der Kollege war ratlos. Ganz gefährlich.

Männer ohne Hobbys kommen auf seltsame Ideen. Das weiß ich von Erzählungen von den Nachbarinnen der Cousinen der Tante der Freundin, also quasi aus erster Hand. Die brennen dann mit dem 20-jährigen polnischen Au Pair-Mädchen durch, das eigentlich bei der Bändigung des vierköpfigen Nachwuchses helfen sollte. Oder sie lassen sich struppige Vollbärte wachsen. Sie investieren ihr Geld in sinnlose technische Geräte. Oder machen plötzlich einen Motorradführerschein und kaufen sich eine Harley.

Vor zwei Jahren besuchten wir schon einmal Freund K. Mein Mann war damals schon von den Bienen begeistert. “Mmh”, dachte ich und überlegte, dass mein Mann ganz langsam in das Alter kommen könnte, das man als Midlife bezeichnet. Das Alter also, vor dem mich die Nachbarinnen der Cousinen der Tante der Freundin gewarnt hatte.

Ich meldete ihn zu einem Imkerkurs an. Besser er legt sich viele Bienen zu, dachte ich, als eine.

 

 

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3 Kommentare zu “Von Bienen und Männern”

  1. Kristina

    mihihi… fein. Der Freund meiner Freundin ist auch Hobbyimker. Der Honig ist wirklich lecker. Wie fand er den Kurs?

    LG, Kristina (aus DD) ;-)

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