Digitaler Tourist

Ich schrieb es schon einmal an anderer Stelle: Ich bin ein nachtaktiver Mensch. Wenn Mann und Kinder schlafen, habe ich Zeit zu erledigen, was so zu erledigen ist. Zum Beispiel die Beiträge für diesen Blog zu schreiben. An den Morgenden nach diesen langen Abenden schleicht sich mein Mann mit Angstschweiß auf der Stirn an den Rechner, um zu schauen, was ich über ihn so geschrieben habe.

Ich habe das als wunderbare Drohung entdeckt. “Pass auf, was du sagst”, warne ich ihn, wenn wir uns über etwas uneins sind, “das kommt alles in den Blog”.

Künftig wird er nicht nur morgens Angst vor dem haben, was ich nachts geschrieben haben könnte, sondern rund um die Uhr. Denn: Ich habe mich bei Twitter angemeldet und zwar hier. Profis mögen den Button oben rechts auf dieser Seite entdeckt haben, den die fähigen Hände von Freundin B. dort eingefügt haben, denen überhaupt die ganze Gestaltung des Blogs zu verdanken ist.

Ich gebe zu: Ich gehöre leider nicht zu den sogenannten Digital Natives. Dafür bin ich leider ein paar wenige Jährchen zu alt. Mein 16jähriges Patenkind ist wesentlich souveräner im Umgang mit sozialen Netzwerken, diversen Computerprogrammen, mit Videogames sämtlicher Konsolen sowieso.

Nun mache ich aber “was mit Medien” und dachte mir, ich könne dem Zeitgeist nicht ganz hinterherhinken. Aber: Noch komme ich mir ein wenig vor, wie Rentner, die einen VHS-Kurs zum Thema “Internet” besuchen und nicht so recht wissen, was sie denn so anfangen sollen mit diesem Internet.

Immerhin, ein erster Tweet steht und – woher auch immer – ich habe bereits drei Follower (übersetzt für all jene, die genau so grün sind wie ich: Leute, die meine “Nachrichten” lesen). “Ha!”, habe ich triumphierend bei jedem Einzelnen gerufen, “mir folgt jemand.”

Ich glaube, falls meine Kinder in vielen Jahren einmal diesen Text lesen sollten, werden sie sich totlachen. Schon jetzt sind sie “digital natives, natives”. Ich bin hingegen ein “digital tourist”.

Kürzlich hat mich meine Tochter gefragt, wofür man einen Fernseher braucht. Sie hat auf den TV-Flachbildschirm gezeigt, dann auf den Flachbildschirm des Computers und gefragt, warum wir denn “zwei davon haben”.

“Nein”, erklärte ich ihr. “Das eine ist der Fernseher, das andere der Bildschirm des Computers.”

“Was kann denn der Computer?”, hakte sie nach.

“Das weißt du doch”, erwiderte ich. “Da können wir uns Fotos ansehen, du schaust hin und wieder ein Filmchen. Außerdem können wir mit Oma und Opa skypen, Mami schreibt ihre Texte, Papa spielt manchmal Computerspiele.”

“Und was kann der?”, fragte sie und zeigte auf den Fernseher.

“Naja”, sagte ich. “Filme zeigen”.

“Aber nur einmal”, resümierte sie. Vor einiger Zeit hatte sie nach Schauen eines Filmes “nochmal!” gerufen. Auf dem Computer kein Problem, aber auf dem Fernseher… Ihr wisst schon. “Wozu braucht man den denn?”, wollte sie abschließend wissen.

Ich wusste keine Antwort. Stattdessen dachte ich: “Oh Gott! Ich bin ein Medien-Dinosaurier.”

Nun also Twitter. Noch als “digital tourist”.

Zumindest in Bezug auf “Real Life”-Reisen halte ich mich für eine recht souveräne Touristin. In der digitalen Welt wird das schon noch werden.

 

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Ein Kommentar zu “Digitaler Tourist”

  1. Wicki

    Liebe Frau Sisyphos, gestern saß ich vor den Fernseher und da dachte ich an Deinen Blog, den ich gelesen hatte. Während ich da auf die Glotze starrte, dachte ich mir, Deine Tochter hat recht. Wozu haben wir eigentlich noch einen Fernseher, mit dem man nur Fernsehen kann? Ich bin auch ein kleiner Medien-Dinosaurier. Naja, fast… und damit sind wir nicht alleine. Es gibt Menschen, die lehnen diese Digitalisierung und das “immer erreichbar sein” bewußt ab, und manchmal muss ich denen recht geben. Wir starren ständig auf unserer Geräte und sehen gar nicht mehr unsere Umgebung. Aber toll sind die Möglichkeiten schon, die die Digitalisierung bietet. :-) Aber Twitter habe ich noch nicht, aber wenn demnächst Frau Sisyphos fleissig postet….

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