Working Mum

Heute ist Vatertag. Am Sonntag ist Muttertag. Die meisten Familien, die ich kenne, nehmen morgen frei und verbinden Vater- und Muttertag zu vier zusammenhängenden Familientagen. Ich muss morgen arbeiten.

“Und?”, fragte mich vor einiger Zeit ein kinderloser Kollege. “Wie ist es so als Working Mum?”

Wenn ich einen Begriff hasse, ist das “Working Mum”.

Ich habe schon viele Texte über den modernen Vater gelesen. Der mitmacht im Haushalt, sich liebevoll um seine Kinder kümmert, und natürlich auch arbeiten geht. Aber der Begriff “Working Dad” ist mir noch nie untergekommen.

Ich reise gerne. Ich lese gerne. Ich bin Ehefrau. Ich bin Freundin. Ich mache in meiner Freizeit gerne Fotos. Bin ich deshalb Working Traveller, Working Reader, Working Wife, Working Friend, Working Photographer? Oder gar Reading Worker? Married Worker? Travelling Worker?

Wohl kaum.

Ich bezeichne mich auch nicht als Reading Mum, Photo Mum, Mum Wife. Und nicht als Blogging Working Wife. Obwohl ich neben meiner Eigenschaft als Mutter und – sagen wir – erwerbstätige Frau auch diesen Blog verfasse.

Ich bilde mir ein, dass die Qualität meiner Arbeit sich nicht dadurch geändert hat, dass ich Mutter geworden bin. Ich glaube auch nicht, dass mir fremde Kollegen ansehen, dass ich Kinder habe. Und ich bin auf meiner Arbeit noch nie als Mama oder Ehefrau oder Leseratte aufgetreten, sondern einfach als, nun, Arbeitende.

Wer zum Teufel hat sich diesen Begriff ausgedacht? Wahrscheinlich Menschen wie der ältere Kollege, der mir zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft einmal gesagt hat: Er als Vater wisse ja: Wenn Frauen erstmal Kinder haben, wollen die überhaupt nicht mehr arbeiten gehen.

Für die – aus seiner Sicht – seltenen Exemplare, die es doch tun, haben Menschen wie er einen Begriff erschaffen: Working Mum.

Bevor ich als Blogging Wife gleich diesen Beitrag beende und meinem Mann zum abendlichen Vatertag Gesellschaft leiste, noch eine letzte Anmerkung:

Sarah Jessica Parker, die im Film “Working Mum” die Hauptrolle spielte, wurde dafür als schlechteste Darstellerin 2012 für die Goldene Himbeere nominiert. Das hätte ich ihr vorher sagen können.

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4 Kommentare zu “Working Mum”

  1. Sabine

    Die Sache mit der goldenen Himbeere lag aber eher an der Schauspielerin bzw. ihrer Schauspiel”kunst”. Das Buch, auf dem der Film basiert, ist gar nicht mal so übel (vom Titel abgesehen), nur das Ende ist unbefriedigend. Den Film habe ich zum Glück nicht gesehen – nach der Vorschau hatte ich genug.

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  2. die Frau aus Schloß Neuhaus

    ….und findest Du nicht auch, daß solcherlei bekloppten Ausdrücke irgendwie häufig dort verwendet werden, wo man sich Emanzipation und Frauen-Solidarität (wenn auch nicht mit diesen Begriffen) besonders groß auf die Fahne schreibt, wie z.B. in “Brigitte” oder “Eltern” usw….

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  3. Josephine Chaos

    Ich hatte mal einen Kollegen, der mich nur als “Hobby-Gynäkologin” bezeichnet hat. Auch schön…! :)

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    • Miléa

      Du hast nicht zugeschlagen (so als “punching colleague”)? :-) Es grüßt die Freizeitanwältin…

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