Geschmackssache

Neulich war ich mit drei Freundinnen essen.

“Eine Gemüsepizza bitte”, orderte Freundin M., “aber ohne Zwiebeln und Peperoni, dafür lieber mehr Artischocke.”

“Ist das Pesto bestimmt ohne Nuss?”, wollte Freundin C. von der Bedienung wissen. “Ich habe eine Nussallergie. Und bitte einen koffeinfreien Cappuccino.”

Freundin K. lächelte den Kellner freundlich an. “Könnte ich die Funghi-Pasta statt mit Sahnesauce lieber auf Tomatenbasis bekommen?”

“Das da”, sagte ich und tippte mit dem Finger auf ein Gericht auf der Karte. “Ginge das auch vegetarisch?”

Der Kellner verschwand verzweifelt, um Zettel und Stift zu holen.

Frauen und Essen, das kann manchmal ganz schön kompliziert sein. Noch komplizierter wird es, wenn Frauen Mütter werden. Und auf andere Mütter treffen.

“Wer?!”, fragte eine Mutter auf dem letzten Elternabend in der Kita streng in die Runde, “wer hat eigentlich damit angefangen, seinem Kind Actimel zum Frühstück mitzugeben?”

Betretenes Schweigen. Zwei Väter zuckten mit den Achseln.

“Das geht nicht”, fuhr sie fort, mit vorwurfsvollem Unterton. “Emil jammert nun auch, dass er Actimel möchte. Wisst ihr überhaupt, wie ungesund das Zeug ist?”

Ich weiß nicht, ob der Actimel-Täter anwesend war, jedenfalls hüllten sich weiterhin alle in betretenes Schweigen.

“Können wir vielleicht darüber abstimmen, dass hier künftig kein Actimel mehr auf den Tisch kommt?”, verlangte die Anklägerin. “Und kein Nutella und Süßkram!”

“Also ich habe meinem Karl nur Actimel mitgegeben, weil das hier alle Kinder haben”, stimmt Mutter 2 ein. “Aber von mir aus können wir Joghurt verbieten.”

“Aber Actimel ist doch etwas völlig anderes als Joghurt”, widersprach Mutter 3.

“Ja, Joghurt geht”, fielen Mutter 4 und Mutter 5 mit ein.

“Wieso?”, verteidigte sich Mutter 2. “Ist doch auch so ein Zuckerzeug. Und Marmelade geht dann auch nicht mehr, wenn Nutella nicht geht.”

“Ich”, betonte Mutter 5, “koche unsere Marmelade selber. Aus Bio-Obst. Da sind diese Reiswaffeln viel ungesunder. Da steckt nämlich Arsen und Acrylamid drin.”

Mir wurde klar, dass es ein langer, langer Elternabend werden würde.

Ich musste an ein Gespräch denken, dass ich vor einiger Zeit im Rheinland auf dem Parkplatz vor einem Schwimmbad belauscht hatte.

“Komm Schätzken”, rief eine Mutter ihrem etwa dreijährigen Sohn zu. “Jetzt gehn wir schön zu McDonald’s.”

“Ich möchte Banane”, erwiderte das Kind.

“Näää”, sagte die Mutter. “Nich Banane. Chicken Nuggets und Pommes.”

“Aber ich will Banane”, insistierte ihr Sohn.

“Du immer mit deiner Banane. Du kannst nich immer nur Banane essen. Wir gehen jetzt fein zu McDonald’s und damit basta!”

Ich frage mich, wie es dieser Frau wohl ergangen wäre, wenn sie meinen Kita-Müttern in die Hände gefallen wäre.

Auf dem Heimweg vom Elternabend, der mit einem schriftlichen Protokoll zur Frühstücksordnung endete, kam ich beim Griechen an der Ecke vorbei, der bis spät in die Nacht Essen serviert. Am Tresen standen vier Männer. “Und?”, hörte ich die Bedienung rufen. “Dasselbe wie immer?”

“Klar”, sagte einer der Kerle. “Vier große Bier und vier Grillteller. Mit allem Drum und Dran.”

So kann’s auch gehen.

 

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